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Impulse für die Entwicklung von Klein- und Mittelstädten

ISW Fachtagung "Vitale Zentren in Klein- und Mittelstädten" am 08.05.2019 in Dinkelsbühl

Klein- und Mittelstädte sind in besonderer Weise von Frequenzverlusten in Stadt- und Ortsteilzentren betroffen und leiden zunehmend unter den Folgen von Funktionsverlusten bis hin zur Verödung. Gleichzeitig sind kleine und mittlere Städte ein wichtiger Bestandteil des polyzentrischen Städtenetzes in Deutschland. Die Sicherung und Weiterentwicklung dieser Kommunen als lebenswerte Wohn- und Wirtschaftsstandorte und insbesondere die Stärkung der Innenstädte und Ortszentren als attraktive städtische Räume stellen wichtige Eckpfeiler der Ortsentwicklung dar.

 

ISW Fachtagung "Vitale Zentren in Klein- und Mittelstädten" am 08.05.2019 in Dinkelsbühl

Klein- und Mittelstädte sind in besonderer Weise von Frequenzverlusten in Stadt- und Ortsteilzentren betroffen und leiden zunehmend unter den Folgen von Funktionsverlusten bis hin zur Verödung. Gleichzeitig sind kleine und mittlere Städte ein wichtiger Bestandteil des polyzentrischen Städtenetzes in Deutschland. Die Sicherung und Weiterentwicklung dieser Kommunen als lebenswerte Wohn- und Wirtschaftsstandorte und insbesondere die Stärkung der Innenstädte und Ortszentren als attraktive städtische Räume stellen wichtige Eckpfeiler der Ortsentwicklung dar.

Vor diesem Hintergrund hat das Institut für Städtebau und Wohnungswesen (ISW) am 08.05.2019 eine Fachtagung zum Thema „Vitale Zentren in Klein- und Mittelstädten“ in Dinkelsbühl veranstaltet. Ziel der Fachtagung war es, die Herausforderungen der Ortsentwicklung in Klein- und Mittelstädten zu benennen und gleichzeitig Impulse für die Planungspraxis zu geben. Gemeinsam mit den geladenen Expertinnen und Experten wurde erörtert, welche Strategien, Maßnahmen und Projekte eine zukunftsfähige Ortskernentwicklung in die Wege leiten können und anhand von Beispielen aus der Planungspraxis veranschaulicht.

Einleitend gab Matthias Simon, Verwaltungsdirektor beim Bayerischen Gemeindetag, einen Überblick über den umfangreichen städtebaulichen und bauplanungsrechtlichen Instrumentenkatalog, der vom kommunalen Flächenmanagement über Zwischenerwerb und Vorkaufsrechte bis hin zur Bestandsüberplanung reicht und den kommunalen Akteuren zur Gestaltung von Ortsentwicklung bereits zur Verfügung steht. Probleme hingegen sieht er bei der Anwendung und Umsetzung dieser Instrumente. Personalengpässe, fehlendes Wissen über das Vorhandensein oder die Anwendung dieser Instrumente sowie der notwendige politische Wille wirken gerade in kleinen und mittleren Kommunen als Stolpersteine.

Mit der Stärkung des Ortszentrums und der Ortskernsanierung, der innerörtlichen Nachverdichtung im Zusammenhang mit neuem Wohnungsbau sowie der Gestaltung des öffentlichen (Frei-) Raums wurden im weiteren Verlauf der Tagung drei Schwerpunkte der Ortsentwicklung vertieft. Jens Imorde, Geschäftsführer der Imorde Projekt- und Kulturberatung, wies u.a. auf die Bedeutung des öffentlichen Raumes sowie die Vitalität und Gestaltung der Erdgeschosszonen als zentrale Aspekte eines belebten Ortszentrums hin und nahm hierbei nicht nur die Kommune als Planungsinstanz in die Pflicht, beispielsweise in Bezug auf die Stadtmöblierung, sondern auch die Händler und Dienstleister, die durch ihre Schaufenstergestaltung ebenfalls großen Einfluss auf die Attraktivität der Innenstadt nehmen können. Jürgen Großmann, Oberbürgermeister der Stadt Nagold und Franz Ullrich, Inhaber des Planungsbüros Plan & Werk, gaben anhand von Maßnahmen- und Projektbeispielen aus Nagold und Hofheim in Ufr. konkrete Handlungsempfehlungen zur Stärkung des Ortszentrums und der Ortskernsanierung in Klein- und Mittelstädten. Die intensive Zusammenarbeit von Kommune, Händlern und Immobilieneigentümern wurde in diesem Zusammenhang immer wieder als ein zentraler Erfolgsfaktor benannt.

Prof. Julian Wékel, Direktor des Instituts für Städtebau und Wohnungswesen, hob in seinem Vortrag die Bedeutung von Wohnnutzung und Wohnungsbau als wichtigen Bestandteil der Zentrumsentwicklung hervor und regte an, zunehmend Flächen- und Gebäudepotentiale im innerörtlichen Bereich für Wohnungsbaumaßnahmen zu nutzen. Zudem appellierte Prof. Wékel an die anwesenden Kommunalvertreter, die Berücksichtigung baukultureller Belange weder in der Innenentwicklung noch in der Außenentwicklung zu vernachlässigen. Das Ortsbild hat nach wie vor eine große Bedeutung für die gesamtstädtische Attraktivität und sollte unter Berücksichtigung der bestehenden baulichen Strukturen behutsam weiterentwickelt werden. Vorbildlich gelungen ist dies mit der Sanierung und Umnutzung des ehemaligen Klosters und der direkt anschließenden Neubebauung des Klosterangers in Weyarn. Neben zusätzlichem Wohnraum wurde im Rahmen des Projektes ein zentrales Café sowie ein Supermarkt realisiert. Das Projekt wurde von Michael Pelzer, Bürgermeister a.D. der Gemeinde Weyarn, vorgestellt.

Andrea Gebhard, Landschaftsarchitektin und Inhaberin des Planungsbüros mahl gebhard konzepte, stellte eingangs die elementaren Qualitäten der Europäischen Stadt heraus - als kulturelles Erbe, aber auch als Leitlinie einer zukünftigen Weiterentwicklung der städtebaulichen Strukturen, und bekräftigte die Bedeutung eines attraktiven öffentlichen Freiraumes als wichtigen Aspekt der Ortsentwicklung. Neben einer attraktiven Stadtmöblierung, die bereits von Herrn Imorde angesprochen wurde, verwies Frau Gebhard auf Grün- und Freiflächen als tragendes Gerüst öffentlicher Räume. Die Qualität von Grün- und Freiflächen steht in direktem Zusammenhang mit dem Wohlbefinden der Bevölkerung und wirkt gleichzeitig identitätsstiftend. Zudem hob Frau Gebhard die Organisation des ruhenden und fließenden Verkehrs sowie die Gestaltung von Verkehrsflächen als weitere wichtige Aspekte hervor. Der Herausforderung, eine gute Erreichbarkeit der Ortsmitte zu gewährleisten und gleichzeitig zu vermeiden, dass zentrale Innenstadtbereiche als Parkflächen herhalten und die Bewegungs- und Aufenthaltsräume für Passanten verringern, hat sich in den letzten Jahren die Stadt Donaueschingen gestellt und die Aufenthaltsqualität in der Ortsmitte maßgeblich verbessert. Heinz Bunse, Stadtbaumeister a.D. der Gemeinde Donaueschingen, erläuterte den Teilnehmenden die wichtigsten Aspekte der Stadtumbaumaßnahme und verdeutlichte nochmals, dass eine gute Erreichbarkeit der Ortsmitte nicht zulasten von Grün- und Freiräumen oder der Aufenthaltsqualität gehen muss.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Tagung bestätigten die Bedeutung nachhaltigen und baukulturell orientierten Städtebaus für die Standort- und Lebensqualität der Bürgerschaft gerade in kleineren Städten und plädierte für eine konsequentere Anwendung der zur Entwicklungsleitung zur Verfügung stehenden Instrumente.

Die Fachtagung fand im Zusammenhang mit der Veröffentlichung „Planungspraxis kleiner und mittlerer Städte – Neue Materialien zur Planungskultur“ statt. Der Materialband umfasst 51 für die Entwicklung von Klein- und Mittelstädten beispielgebende Planungsprozesse und Projekte und dient als Handreichung für die Planungspraxis. Die Publikation wurde als Kooperation zwischen Deutschem Städtetag, Institut für Städtebau und Wohnungswesen , Deutschem Städte- und Gemeindebund sowie mit Unterstützung des BBSR Ende 2018 veröffentlicht und steht auf der Website des ISW zum kostenlosen Download zur Verfügung.