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ISW vor Ort in München - Exkursionsbericht

München wächst – und das den neuesten Prognosen entsprechend immer schneller. Das Wachstum birgt insbesondere vor dem Hintergrund der bestehenden hohen Bevölkerungsdichte, hohen Boden- und Mietpreisen sowie begrenzter Flächenpotenziale große Herausforderungen. Entsprechend dynamisch zeigt sich die städtebauliche Entwicklung der Stadt. Hiervon konnten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Rahmen der Fachexkursion „ISW vor Ort in München“ am 16./17. März vor Ort überzeugen.

 

München weiterbauen - Aktuelle Strategien und Projekte der Stadtentwicklungsplanung 
ISW-Fachexkursion am 16./17.03.2018 in München

München wächst – und das den neuesten Prognosen entsprechend immer schneller. Das Wachstum birgt insbesondere vor dem Hintergrund der bestehenden hohen Bevölkerungsdichte, hohen Boden- und Mietpreisen sowie begrenzter Flächenpotenziale große Herausforderungen. Entsprechend dynamisch zeigt sich die städtebauliche Entwicklung der Stadt. Hiervon konnten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Rahmen der Fachexkursion „ISW vor Ort in München“ am 16./17. März vor Ort überzeugen. Ziel der Fachexkursion war es, allen Teilnehmenden innerhalb von zwei Tagen einen möglichst konkreten Einblick in die aktuelle städtebauliche und stadtentwicklungspolitische Entwicklung und Perspektive der Stadt München zu geben. Einführende Vorträge gaben den Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen Einblick in ausgewählte, mit dem Wachstum verbundene Herausforderungen. Im Fokus standen die Themenbereiche bezahlbarer Wohnraum, die nahezu ausgeschöpften Flächenpotenziale im Stadtgebiet sowie die Entwicklung von Grün- und Freiflächen.

Langfristige Siedlungsentwicklung und Wohnungsbau

Mit dem Projekt „Langfristige Siedlungsentwicklung“ (LaSie) sucht die Landeshauptstadt München Antworten auf den absehbaren Engpass bei Wohnbauflächen. Das Projekt LaSie zielt darauf ab, neue Flächen für Wohnungen zu identifizieren und eine mögliche bauliche Entwicklung in die Wege leiten. Nachverdichtung, Umstrukturierung und Entwicklung am Stadtrand lauten die drei Strategien, die angewendet werden, um Wachstumspotenziale innerhalb der Stadtgrenzen zu identifizieren sowie eine verträgliche Außenentwicklung zu ermöglichen.

Das Wohnungsbauprogramm „Wohnen für alle“ ergänzt die bestehenden Programme der Stadt München seit 2016 und trägt der steigenden Nachfrage nach gefördertem Wohnraum für einkommensschwache Gruppen Rechnung. Bis 2019 sollen rund 3.000 neue Wohnungen für Familien mit geringem Einkommen, Auszubildende und junge Berufstätige sowie anerkannte Flüchtlinge errichtet werden. Mit der Parkplatzüberbauung am Dantebad wurde im weiteren Verlauf der Fachexkursion ein Pilotprojekt des Wohnungsbauprogramms besichtigt.

Tradition und Moderne in der Münchner Innenstadt

Die Entwicklung der Münchner Innenstadt zeigt sich ebenfalls sehr dynamisch. Hier treffen viele Interessen aufeinander, gleichzeitig ist sie ein Ort kontinuierlicher Veränderung. Erklärtes Ziel der Stadt ist es, das besondere Flair der Innenstadt mit ihren historischen Strukturen, Passagen, Höfen und Gebäuden, trotz umfangreicher Neubaumaßnahmen, Veränderungen im Einzelhandel und der Integration neuer Nutzungen zu erhalten. Auch wenn es immer wieder Diskussionen um neue Planungen und Entwicklungen gibt (z.B. Hotel Königshof und Alte Akademie), konnten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer anhand verschiedener Projekte der jüngeren Vergangenheit (z.B. St.-Jakobs-Platz, Hofstatt/ehem. SZ-Stammgelände) davon überzeugen, dass es möglich ist, traditionelle Strukturen weiterzuentwickeln und moderne Neubaumaßnahmen im Einklang mit der bestehenden Baustruktur in die Innenstadt zu integrieren.

Konversion und Quartiersentwicklung

Die Bautätigkeit in München ist insbesondere im Wohnungsbau sehr hoch und umfasst, neben Nachverdichtungsmaßnahmen, den Neubau von ganzen Stadtquartieren. Ehemalige innerstädtische Kasernenareale und Gewerbebrachen sowie Erweiterungsflächen am Stadtrand bieten die Möglichkeit, neue, moderne Quartiere zu entwickeln. Besichtigt wurden in diesem Zusammenhang die Entwicklungsprojekte Werksviertel und Kreativquartier - ehemalige Gewerbe- bzw. Kasernenflächen, die aktuell mit unterschiedlichen Nutzungen zu neuen Stadtentwicklungsquartieren entwickelt werden. Das Werksviertel entsteht hinter dem Münchner Ostbahnhof auf den Flächen der ehemaligen Produktionsstätten von Pfanni, Zündapp, Konen und Optimol. Neben Wohnraum und einem großen Anteil an Arbeitsplätzen wird das neue Münchner Konzerthaus im Werksviertel geplant. Das Kreativquartier wird auf der ehemaligen Fläche der Luitpoldkaserne entwickelt. Geplant ist die Entwicklung eines urbanen Stadtquartiers, in dem Wohnen und Arbeiten mit kunst-, kultur- und wissensbezogenen Nutzungen verknüpft wird.

Die Zusammenarbeit mit Konsortien aus Baugenossenschaften, Baugemeinschaften und privaten sowie städtischen Wohnungsbaugesellschaften spielt im Münchner Wohnungsbau eine große Rolle. Das genossenschaftliche, mehrfach mit Architektur- und Städtebaupreisen ausgezeichnete Wohnprojekt wagnisArt im Domagkpark, wurde im Rahmen der Fachexkursion besichtigt. Die Teilnehmenden hatten neben der Erläuterung des Projektes und der verschiedenen Nutzungen auch die Chance, sich in den verschiedenen Gebäudekomplexen umzusehen.

Ein weiterer wesentlicher Punkt der Quartiersentwicklung in München ist die Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs. Mit der Konzeption und Umsetzung innovativer Mobilitätskonzepte wird darauf hingearbeitet, die Quartiere weitestgehend autofrei zu gestalten, und beispielsweise über eine Mobilitätszentrale Anreize zur Nutzung alternativer Verkehrsmittel und sharing-Angebote zu schaffen und Elektromobilität zu fördern. Die erste E-Mobilitätszentrale Münchens wurden 2016 im Domagkpark eröffnet.

Die Fachexkursion wurde durch Vorträge und Führungen von leitenden Mitarbeitern der Landeshauptstadt, München Dipl.-Ing. Steffen Kercher, Dipl.-Ing. Werner Hasenstab, Dipl.-Ing. Sabine Steger, Dipl.-Ing. Katja Strohhäker sowie Dipl.-Ing. Architektin Gerda Peter, GWG München, Dipl.-Ing. Stephan Reiß-Schmidt, freier Berater und Stadtdirektor a.D., Dipl.-Ing. Architekt Johannes Ernst, Steidle Architekten, Dr. Agnes Förster, Studio l Stadt l Region München, Rut Maria-Gollan, wagnis eG und Florian Lippmann, GEWOFAG München unterstützt. Darüber hinaus fand ein Besuch nebst fachlichem Austausch mit Dipl.-Ing. Architekt Andreas Garkisch im Büro 03 Architekten in München statt.