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ISW vor Ort in Weyarn und Brannenburg - Exkursionsbericht

Die Metropolregion München zählt zu den wachstumsstärksten Regionen in Deutschland. Der mit dem Wachstum verbundene Druck und die Nachfrage nach zusätzlichem Wohnraum ist nicht nur in der Landeshauptstadt und den angrenzenden Kreisen, sondern auch im ländlichen Raum der Metropolregion präsent. Das Wachstum eröffnet Chancen für die betroffenen Kommunen und bietet u.a. durch die Möglichkeit, neue urbane Wohn- und Lebensformen zu integrieren, Spielräume für eine zukunftsfähige Stadt- und Ortsentwicklung. Hiervon konnten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Rahmen der Fachexkursion „ISW vor Ort in Weyarn und Brannenburg“ am 4. Juli vor Ort überzeugen.

Klosteranger Weyarn

Ehemaliges Kasernengelände Brannenburg

Baukultur, urbane Wohnprojekte und neue Stadtquartiere im ländlichen Raum
ISW-Fachexkursion am 04.07.2018 in Weyarn und Brannenburg

Die Metropolregion München zählt zu den wachstumsstärksten Regionen in Deutschland. Der mit dem Wachstum verbundene Druck und die Nachfrage nach zusätzlichem Wohnraum ist nicht nur in der Landeshauptstadt und den angrenzenden Kreisen, sondern auch im ländlichen Raum der Metropolregion präsent. Flächenneuinanspruchnahme und umfangreicher Wohnungsneubau stößt jedoch nicht überall auf eine positive Resonanz. Doch das Wachstum eröffnet auch Chancen für die betroffenen Kommunen und bietet u.a. durch die Möglichkeit, neue urbane Wohn- und Lebensformen zu integrieren, Spielräume für eine zukunftsfähige Stadt- und Ortsentwicklung.

Ziel der Fachexkursion war es, am Beispiel von zwei Wohnungsbauprojekten aufzuzeigen, wie kleine Gemeinden im ländlichen Raum der Metropolregion München mit der Herausforderung Wachstum umgehen. Ein Fachvortrag zur Gestaltung von Wachstum in kleineren Gemeinden im ländlichen Raum führte zu Beginn der Exkursion in die Thematik ein.

Klosteranger Weyarn – Revitalisierung und innerörtliche Nachverdichtung

Die Nachverdichtung auf dem Klosteranger durch den Neubau von 142 Wohneinheiten und einem Nahversorger schließt an die Sanierung der Ortsmitte und der ehemaligen Klosterbrauerei an. Hier wurde als zentraler Treffpunkt ein Café realisiert. Die Neubauten, bestehend aus Reihen- und Doppelhäusern sowie Mehrfamilienhäusern, grenzen direkt an den alten Ortskern an und fügen sich in die bestehende Bebauung ein. Ein zentraler Grünzug verbindet die Gebäude und stellt einen neuen Freiraum für den gesamten Ort dar, der u.a. durch einen Gemeinschaftsgarten genutzt wird. Aktuell wird der finale Bauabschnitt realisiert. Dem Projekt ging eine umfangreiche Bürgerbeteiligung voraus, gleichzeitig wurde der Klosteranger in enger Zusammenarbeit mit der Kommune geplant und umgesetzt.

Mehrgenerationenwohnen auf dem Areal der ehemaligen Karfreit-Kaserne in Brannenburg

Auf dem Gelände der ehemaligen Karfreit-Kaserne in Brannenburg entstehen in drei Bauabschnitten 300 Wohneinheiten, ein Kinderhaus, Freiflächen, Sport- und Spielflächen sowie Pflegeeinrichtungen im Rahmen des Mehrgenerationenwohnen. Die ehemaligen Kasernengebäude wurden abgetragen und durch Neubauten (Einfamilien-, Doppel- und Mehrfamilienhäuser) ersetzt. Das historische Uhrturmgebäude wurde als zentraler Identifikationspunkt im Quartier originalgetreu nachgebaut.

Beide Projekte sind weitgehend autofrei gestaltet. In beiden Fällen wurde eine zentrale Tiefgarage errichtet, die in Weyarn zur Senkung der Baukosten durch zentrale überdachte Parkflächen ergänzt wird. Die Projekte zeigen deutlich, welche Herausforderungen die Entwicklung neuer Quartiere im ländlichen Raum mit sich bringt. So wurden als Erfolgsfaktoren insbesondere eine intensive Bürgerbeteiligung, eine optimale Einbindung in die bestehende Bebauung, die Bewahrung lokaler Strukturen bzw. das Aufgreifen von Identifikationspunkten benannt. Es gilt, das Wachstum behutsam und unter Berücksichtigung der vorhandenen lokalen Strukturen und Bedürfnisse so zu gestalten, dass neue Qualitäten im Bereich Wohnen, Daseinsvorsorge und Baukultur entstehen können. Eine umfangreiche Bürgerbeteiligung ist in diesem Zusammenhang unerlässlich.

Die Projekte wurden im Rahmen der Vergabe des Baukulturpreises der Europäischen Metropolregion München e.V. 2018 ausgezeichnet.

Die Fachexkursion wurde durch Vorträge und Führungen von Dipl.-Ing. Stefanie Seeholzer, Gesellschafterin und Geschäftsführerin im Planungsbüro Kunze Seeholzer Architektur & Stadtplanung aus München sowie Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der TU München, Dr. Max von Bredow, Vorstandsvorsitzender der Quest Immobilien AG in Kolbermoor, Dipl.-Ing. Andreas Leupold, Partner im Architekturbüro leupold brown goldbach in München und Rupert Voß, Geschäftsführer der Innzeit GmbH & Co. KG. in Brannenburg unterstützt.