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Zukunft urbanes Grün! Perspektiven für klimasichere und grüne Städte im Kontext städtebaulicher Nachverdichtung – Tagungsbericht

Mit dem anhaltenden Einwohnerwachstum steigt in vielen Städten der Nutzungsdruck auf freie, unbebaute Flächen – auch Grün- und Freiflächen sind betroffen. Ziel der Fachtagung war es, die Bedeutung von Grün- und Freiflächen im Kontext zunehmender städtebaulicher Verdichtung zu verdeutlichen und gleichzeitig Strategien vorzustellen, die es ermöglichen, ihre Belange im Rahmen von städtebaulichen Planungen durchzusetzen.

 

"Zukunft urbanes Grün! Perspektiven für klimasichere und grüne Städte im Kontext städtebaulicher Nachverdichtung"

ISW-Fachtagung am 24.09.2018 in Würzburg

Mit dem anhaltenden Einwohnerwachstum steigt in vielen Städten der Nutzungsdruck auf freie, unbebaute Flächen – auch Grün- und Freiflächen sind betroffen. Neben der Schaffung von ausreichend Wohnraum spielt im Kontext zunehmender Verdichtung auch die Sicherung der Lebensqualität in der Stadt eine große Rolle. Die Verfügbarkeit von Grün- und Freiflächen ist in diesem Zusammenhang ein wichtiger Faktor, der sowohl in quantitativer Hinsicht als auch mit Bezug zur Nutzbarkeit (Stichwort: Multifunktionalität) und stadtklimatischen Aspekten zu berücksichtigen ist.

Ziel der Fachtagung war es, die Bedeutung von Grün- und Freiflächen im Kontext zunehmender städtebaulicher Verdichtung zu verdeutlichen und gleichzeitig Strategien vorzustellen, die es ermöglichen, ihre Belange im Rahmen von städtebaulichen Planungen durchzusetzen. In diesem Zusammenhang wurde die Arbeit mit Orientierungswerten für die Grün- und Freiflächenversorgung sowie die Anwendung und Wirkung verschiedener Instrumente wie Freiraumgestaltungssatzungen, Freiraumkonzepte, Klimafunktionskarten als Planungshilfen und Argumentationsgrundlagen erläutert. Neben der Planung von Grün- und Freiflächen in Neubauvorhaben wurde insbesondere auf Entwicklungsmöglichkeiten in bestehenden Quartieren und Innenstädten hingewiesen. Straßenumbau- und Erneuerungsmaßnahmen sowie Verkehrsberuhigung bieten in diesem Zusammenhang weitreichende Möglichkeiten straßenbegleitendes Grün zu integrieren und somit die grüne Infrastruktur in der Stadt zu erweitern.

Im weiteren Verlauf der Tagung wurde der klimagerechte Ausbau von Grün- und Freiflächen thematisiert. Anhand eines konkreten Beispiels aus dem Forschungsprojekt „Klimaschutz und grüne Infrastruktur in der Stadt“ wurde die Hitzeregulierung durch grüne Infrastruktur an städtischen Wärmetagen erläutert und aufgezeigt, wie die thermische Belastung im Stadtraum mit Hilfe von grüner Infrastruktur reduziert werden kann. Die Regulierungsleistung ist in diesem Zusammenhang jedoch nicht ausschließlich auf die quantitative Ausstattung grüner Infrastruktur zurückzuführen, sondern ergibt sich aus der strategischen Anlage von Grünflächen und Gehölzen bzw. Bäumen.

Dach- und Fassadenbegrünungen leisten ebenfalls einen wichtigen Beitrag zur Erweiterung grüner Infrastruktur in der Stadt und wirken darüber hinaus auch klimaregulierend. Im Bereich Fassadenbegrünung zeigt sich die Wirkung insbesondere in der Regulierung der Fassadentemperatur und den damit verbundenen Energieeinsparungen. Dachbegrünungen erweitern je nach Anlage den Anteil privater bzw. öffentlicher nutzbarer Grünflächen und leisten u.a. im Bereich Regenwasseraufnahme einen wichtigen Beitrag. Zu beachten ist jedoch, dass die Wirkungen von Dach- und Fassadengrün sowohl im Bereich Klimaregulierung als auch im Bereich der Nutzbarkeit nicht mit originärer grüner Infrastruktur zu vergleichen sind und daher als ergänzender Faktor realisiert und gefördert werden sollten.

Zum Abschluss der Tagung wurde im Rahmen einer Exkursion auf dem Gelände der Landesgartenschau die Neuentwicklung des ehemaligen Kasernenareals Leighton Barracks zum neuen Stadtteil Hubland erläutert, die Versorgung und Integration von Grün- und Freiflächen sowie die besondere Bedeutung der Landesgartenschau als Stadtentwicklungsmaßnahme thematisiert.

ReferentInnen:

Prof. Christian Baumgart, berufsmäßiger Stadtrat und Baureferent der Stadt Würzburg
Dipl.-Ing. Susanne Hutter-von-Knorring, Leiterin Grünplanung, Referat für Stadtplanung und Bauordnung, Landeshauptstadt München
Dipl.-Ing. Claudia Kaspar, Baudirektorin, Stadt Würzburg
Prof. Dr. Stephan Pauleit, Lehrstuhl für Strategie und Management der Landschaftsentwicklung, TU München
Prof. Dr. Nicole Pfoser, Fachgebiet Objektplanung, Fakultät Landschaftsarchitektur, Umwelt und Stadtplanung, HWU Nürtingen