Fachexkursionen

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Unsere Institute planen derzeit neue und spannende städtebauliche Exkursionen. 

Weitere Informationen finden Sie hier demnächst.

Rückblick: ISW vor Ort in der Metropole Ruhr

IBA Reloaded: Innovative Projekte, moderne Leitvorstellungen und Ziele in Städtebau und Stadtentwicklung
ISW-Fachexkursion vom 04.-06.04.2019 in der Metropole Ruhr

Die Internationale Bauausstellung (IBA) Emscherpark gilt in Fachkreisen bis heute als eine der methodisch und inhaltlich stärksten baukulturellen Initiativen in Deutschland. Die als Zukunftsprogramm des Landes Nordrhein-Westfalen eingesetzte IBA (1989-1999) verfolgte das Ziel, durch städtebauliche, soziale, kulturelle und ökologische Maßnahmen neue Impulse für den wirtschaftlichen Wandel der Industrieregion zu setzen. Ein Großteil der Projekte hat bis heute und auch für die Zukunft eine große Bedeutung für die Region sowie mindestens auf nationaler Ebene Vorbildcharakter.

20 Jahre nach Abschluss der IBA Emscherpark ist der wirtschaftliche Wandel im Ruhrgebiet nochmals weiter vorangeschritten. Die Region, die bis heute den größten zusammenhängenden urbanen Verdichtungsraum Deutschlands darstellt, hat sich, wenn auch noch nicht vollumfänglich, vom ehemaligen Industrie- zu einem modernen Wirtschafts-, Handels- und Dienstleistungsstandort entwickelt. Industrielle Brachflächen, teilweise in bester (Innen-) Stadtlage, stellen bis heute bedeutende Raumpotenziale für die aktuelle und zukünftige Stadtentwicklung der Region dar und werden als Flächen für die Entwicklung moderner Stadtquartiere und Gewerbestandorte genutzt.

Im Rahmen der Fachexkursion „ISW vor Ort in der Metropole Ruhr“ wurden, stellvertretend für die Vielzahl an Kommunen und Maßnahmen, in Essen, Dortmund und Duisburg aktuelle innovative Projekte aus den Bereichen Wohnungsbau, Stadterweiterung und Stadtumbau sowie ausgewählte Projekte der IBA Emscherpark besucht.

IBA Emscherpark, Strukturwandel und Strukturförderprogramme

Die Internationale Bauausstellung Emscher Park trat 1989 unter der Leitung von Prof. Karl Ganser mit dem Ziel an, dem zentralen Ruhrgebiet und seinem industriellen Niedergang Impulse für einen konzeptionellen Strukturwandel zu geben. Der Umbau der Emscher bot die Chance der Stadtlandschaft ein neues Gesicht zu verleihen, das weit über die notwendigen Projekte im Zusammenhang mit dem Gewässerlauf hinausgeht. Industriebrachen wurden erfolgreich zu natürlichen Rückzugsräumen entwickelt und industrielle Restflächen als Chance für innovative Stadtentwicklungsprojekte genutzt.

Die Entstehung des Innenhafens in Duisburg sowie die Entwicklung des Landschaftspark Duisburg-Nord zählen zu den bekanntesten Projekten, die aus der IBA Emscherpark hervorgegangen sind und bis heute Impulse für die Entwicklung des lokalen Stadtteilumfeldes sowie für die Entwicklung der Region setzen. Darüber hinaus vermitteln die Projekte international Orientierung für einen neuen Umgang mit alten Industrieregionen und -anlagen. Der Duisburger Innenhafen ist heute als beliebter Wohn- und Wirtschaftsstandort etabliert und wird kontinuierlich weiterentwickelt. Hier befinden sich zudem städtebauliche Leuchtturmprojekte wie das Landesarchiv Nordrhein-Westfalen sowie der Garten der Erinnerung, angelegt von Dani Karavan. Der Landschaftspark Duisburg-Nord ist der erste Landschaftspark, der aus einer rekultivierten Industrieanlage entstanden ist, der Entwurf des Parks stammt vom Büro Latz + Partner aus Kranzberg. Die Gestaltung war mit den Zielen verbunden, einen Frei- und Erlebnisraum für die Bevölkerung sowie ein Zentrum für kulturelle Aktivitäten zu schaffen und den Park gleichzeitig als Zeugnis der industriellen Geschichte des Areals sowie der Industrieregion Ruhrgebiet zu erhalten.

Mit der Kulturhauptstadt Europa Ruhr 2010 sowie den Regionalen wurden in Nordrhein-Westfalen und im speziellen im Ruhrgebiet nach der IBA weitere Strukturprogramme durchgeführt. Das Dortmunder U wurde als Leuchtturmprojekt der Stadt Dortmund im Zuge der Kulturhauptstadt Ruhr 2010 eröffnet. Nach der Umnutzung des Gebäudes vom ehemaligen Brauereihochhaus zum Kunst- und Kulturprojekt, hat sich das Dortmunder U bis heute zu einem national bedeutenden Zentrum für Kunst, Kultur und digitale Bildung entwickelt. Die positive Entwicklung des ehemaligen Brauereistandortes hat zudem Impulse für die Entwicklung des direkten städtebaulichen Umfeldes sowie des gesamten Unionviertels gesetzt. Neben verschiedenen Büronutzungen und Bildungseinrichtungen, die im direkten Umfeld des Dortmunder U entstanden sind sowie geplanten Studentenwohnungen, hat sich das Unionviertel als Standort für Kunst- und Kulturschaffende etabliert und wird, u.a. gefördert von der Stadt Dortmund, entsprechend weiterentwickelt.

Konversion, Wohnungsbau und Quartiersentwicklung

Die Konversion industrieller Brachflächen spielt im Ruhrgebiet bis heute eine große Rolle. Industrielle Brachflächen stellen nach wie vor bedeutende Raumpotenziale in teilweise bester Citylage dar und werden entsprechend des steigenden Wohnraumbedarfs zu attraktiven, nutzungsgemischten Stadtquartieren entwickelt. Im Zuge der Exkursion wurden unter fachkundiger Führung ausgewählte Quartiere besichtigt.

Das neue Stadtquartier Phoenix-See, das in Dortmund Hörde auf einem Teilbereich des Standortes des ehemaligen Phoenix-Werk entstanden ist, zählt sicherlich zu den bekanntesten Konversionsprojekten der Region. Der Phoenix See gilt als Vorzeigequartier und hat das Image der Stadt Dortmund als attraktiver Wohn- und Wirtschaftsstandort mindestens auf nationaler Ebene nachhaltig positiv beeinflusst. Das neue Stadtquartier schließt direkt an das historisch gewachsene Stadtteilzentrum von Hörde an. Am Phoenix See befinden sich neben einem hohen Anteil von Wohnnutzungen, die sich u.a. in Form von Geschosswohnungsbauten, Doppelhäusern oder Einfamilienhäuser, teilweise mit Villencharakter, um den See gruppieren, Büro-, Gastronomie sowie Einzelhandelsflächen. Darüber hinaus ist der Phoenix See als Naherholungsgebiet sowohl bei den Anwohnern und der angrenzenden Wohnbevölkerung als auch bei auswärtigen Besuchern sehr beliebt und wird insbesondere an Wochenenden stark frequentiert. Die Neuanlage des Phoenix See sowie die Entwicklung eines attraktiven Stadtviertels wurde 2018 mit dem Deutschen Städtebaupreis ausgezeichnet.

Am Phoenix See befindet sich ein Gemeinschaftswohnprojekt von W.I.R.-Wohnen Innovativ Realisieren, einem Verein für generationenübergreifendes Wohnen in Dortmund. Das Wohnprojekt WIR am Phoenixsee besteht aus 40 Wohneinheiten verschiedener Größe die sowohl von Eigentümern als auch von Mietern bewohnt werden. Zudem verfügt das Projekt über verschiedene Gemeinschafträume und Gästeapartments. Die Philosophie des Zusammenlebens basiert im Vergleich zu anderen Gemeinschaftswohnprojekten auf Freiwilligkeit. Das Projekt wurde 2015 fertiggestellt (Architekt: post welters + partner mbB).

In Essen stellt die Neuentwicklung des Stadtquartiers Essen 51 aktuell das größte innerstädtische Konversionsgebiet dar. Im Rahmen des Masterplan Krupp-Gürtel Nord wird auf dem ehemaligen Kruppschen Industrieareal ein neues gemischtes Stadtquartier mit ca. 2.500 Wohneinheiten sowie umfangreicher Büro- und Gewerbenutzung geplant. Der Standort befindet sich in Innenstadtnähe. Zur Verbesserung der öffentlichen Verkehrserschließung plant die Stadt eine zusätzliche Tramlinie, die in Zukunft sowohl das Stadtquartier Essen 51 als auch das Krupp-Quartier, die 2010 neu erbaute Konzernzentrale von ThyssenKrupp in Essen, mit der Innenstadt und dem Hauptbahnhof verbinden soll. Eine direkte Anbindung an den Radschnellweg RS1, der eine Strecke von knapp 100 km zwischen Hamm und Duisburg – quer durch das Ruhrgebiet verbindet, besteht bereits.

Ab 2011 wurde mit dem Universitätsviertel „Grüne Mitte Essen“ direkt angrenzend an den innerstädtischen Limbecker Platz ein neues Stadtviertel als Wohn- und Büro- sowie Universitätsstandort gebaut. Viel beachtet wird das Universitätsviertel insbesondere aufgrund der großflächigen Anlage attraktiver Grün- und Freiflächen.

Das Uferquartier am neu angelegten Niederfeldsee im Westen im Stadtteil Altenessen zählt ebenfalls zu den neueren Konversionsprojekten der Stadt Essen. Mit der Neuanlage des Niederfeldsee, weitreichenden Wohnumfeldverbesserungen, Abriss, Modernisierungen und dem Bau attraktiver Geschosswohnungen verfolgte die Stadt das Ziel den klassischen Arbeiterstadtteil Altendorf, der sich lange Zeit durch brachgefallene Industrieflächen, Wohnungsleerstände und Modernisierungsrückstände im Immobilienbestand auszeichnete, aufzuwerten und das Quartier für junge Zielgruppen attraktiver zu gestalten. Das Projekt Niederfeldsee ist Teil des Programms „ESSEN. Neue Wege zum Wasser“, mit dem die Stadt das Ziel verfolgt, Grünflächen zu entwickeln und zu vernetzen.

Aktuell werden im Ruhrgebiet mit den Projekten Freiheit Emscher und der Neuentwicklung der Fläche des Flughafen Essen/Mülheim weitere große Konversionsprojekte umgesetzt, die sich insbesondere dadurch auszeichnen, dass sich die Areale auf unterschiedlichen administrativen Gebieten befinden und die Planung und Entwicklung in interkommunaler Zusammenarbeit stattfindet.

Es ist nicht zu übersehen, dass die Impulse der IBA Emscherpark sowie der nachfolgenden Strukturförderprogramme in der Region bis heute spürbar sind und weiterhin als Wegbereiter für die Entwicklung von Stadt und Region dienen. Das Ruhrgebiet zeigt sich als Region, die mit vollem Tatendrang den Strukturwandel weiter vorantreibt. Dieser ist sowohl in den Kommunen sowie weiteren privaten und öffentlichen Institutionen und Verbänden zu spüren, die während der Fachexkursion besucht wurden. Nicht nur die IBA-Emscherpark, sondern auch die daran anschließende lokale und regionale Entwicklung hat besonderen Vorbildcharakter für den wirtschaftlichen und strukturellen Wandel einer Region und bietet heute sowie in Zukunft Potenzial für weitere fachlich orientierte Besichtigungen.

Rückblick: ISW vor Ort in San Francisco und der Bay Area

ISW vor Ort in San Francisco und der Bay Area
Städtebauliche Studienreise vom 19. bis 28.10.2018

Die San Francisco Bay Area zählt zu den innovations- und wachstumsstärksten Metropolregionen der USA. Gleichzeitig ist San Francisco ein Sehnsuchtsort, der bis heute für Toleranz, Vielfalt und ein besonderes Lebensgefühl bekannt ist. Der Boom der High-Tech-Industrie hat die Region in den letzten Jahren stark verändert. Die Nachfrage nach hochqualifizierten Fachkräften ist enorm, entsprechend hoch der Zuzug zahlungskräftiger Bevölkerungsschichten, der sich insbesondere auf San Francisco als kulturelle Metropole der Region konzentriert. Entsprechend knapp und teuer ist Wohnraum in San Francisco und der gesamten Region.

Die Schaffung von ausreichend und bezahlbarem Wohnraum, die Neuentwicklung von ehemaligen Hafen- und Militärflächen zu neuen Stadtquartieren, die Bewältigung des hohen Verkehrsaufkommens sowie die Schaffung von nachhaltiger Mobilität sind wichtige Herausforderungen der aktuellen Stadtentwicklungsplanung in der Bay Area und gaben, auch mit Blick auf vergleichbare Herausforderungen und Aufgaben in hiesigen Wachstumsregionen, Anlass, die Region im Rahmen einer städtebaulichen Studienreise zu besuchen. Die fachlich orientierte Reise hatte das Ziel, die Region in ihrer Gänze zu betrachten. Neben den Herausforderungen des Wachstums, die insbesondere die Stadt San Francisco betreffen, wurden zudem denkmalpflegerische Aspekte, städtebauliche Beispiele des New Urbanism, besondere Hochbauarchitekturen sowie regionalplanerische Belange betrachtet und ausgewählte Planungsinstitutionen sowie die renommierten Universitäten Stanford und Berkeley besucht.

Wohnungsmarkt und Wohnungsbau in San Francisco

Wohnraum in San Francisco ist knapp und teuer. Die Dynamik in der Entwicklung neuer Arbeitsplätze überflügelt die Anzahl neu genehmigter Wohneinheiten bei weitem. Die Preise auf dem Wohnungsmarkt steigen, sozial schwächere Bevölkerungsgruppen werden aus der Stadt verdrängt und auch „Normalverdienerhaushalte“ können sich das Leben in der Stadt aufgrund der aufgerufenen Wohnungsmiet- und Kaufpreise nicht mehr leisten. Obdachlose Menschen sind im Stadtbild der Region allgegenwärtig. Die Stadt San Francisco selbst spricht von einer Wohnungsmarktkrise, die sich in den letzten Jahren durch den andauernden Zuzug weiter verschärft hat. Um dem Wohnungsmangel und insbesondere den hohen Wohnkosten begegnen zu können und bezahlbaren Wohnraum für alle Bevölkerungsschichten in San Francisco zu schaffen, hat die Stadt verschiedene Programme zur Wohnraumförderung aufgelegt. Hierzu zählt u.a. das Affordable Housing Bonus Program. Das Programm hat das Ziel, den Anteil bezahlbarer Wohnungen im Neubau zu erhöhen und richtet sich an Haushalte mit geringem und mittlerem Einkommen. Das Programm gibt Bauträgern und Projektentwicklern die Möglichkeit, z.B. mit einer höheren Dichte oder insgesamt höher zu bauen, wenn im Umkehrschluss der Anteil bezahlbarer Wohnungen in den Projekten erhöht wird. Das Programm bietet verschiedene Optionen für Bauherren, die sich u.a. mit Blick auf den Anteil und die Ausgestaltung bzw. die Bindung dieser Wohnungen unterscheiden. Die Berechnung der verschiedenen Bedarfsgruppen mit Anrecht auf geförderten Wohnraum erfolgt über den Kennwert Area Median Income (AMI). Dieser Wert berechnet sich über das Haushaltseinkommen und die Haushaltsgröße.

Der Einsatz von seriellem Wohnungsbau spielt ebenfalls zunehmend eine Rolle in der Bay Area. Sowohl in San Francisco als auch im Silicon Valley werden bereits Wohngebäude auf der Basis modularer Bauelemente errichtet. Die Vorteile des seriellen Wohnungsbaus ergeben sich insbesondere aus der Möglichkeit, durch den hohen Vorfertigungsgrad zeit- und kostengünstiger zu bauen.

Redevelopment

San Francisco verfügt über viele großflächig brachliegende Hafen- und Militärflächen, die sukzessive als neue Stadtquartiere geplant und in die Stadt integriert werden. Die Mission Bay zählt in diesem Zusammenhang zu den größten Redevelopment-Projekten in San Francisco. Das Gebiet, bestehend aus ehemaligen Hafen- und Industrieflächen, befindet sich bereits im fortgeschrittenen Stadium baulicher Realisierung. Ziel ist es, ein modernes, nutzungsgemischtes Stadtquartier mit hoher Dichte zu entwickeln. Neben den Wohneinheiten werden umfangreiche Flächen für Einzelhandel und Gastronomie bereitgestellt. Zudem errichtet die University of California San Francisco hier einen neuen Campus mit medizinisch-biochemischem Schwerpunkt.

Die Neuentwicklung von Treasure Island, einer vorgelagerten künstlichen Insel in der San Francisco Bay, ist ein weiteres Redevelopment-Projekt der Stadt, das sich aktuell in der Planungsphase befindet. Die ehemals als Militärstützpunkt genutzte Insel soll als neuer Stadtteil von San Francisco entwickelt und neben dem bestehenden Anschluss an die Oakland Bay Bridge über Fährverbindungen auf kurzem Weg an die Innenstadt von San Francisco sowie die East Bay angeschlossen werden. Das Verkehrsnetz auf der Insel soll auf eine Reduzierung der PKW-Nutzung abzielen, was insbesondere durch die Anlage eines umfassenden Fuß- und Radwegesystems mit umfassenden Sharing-Angeboten erreicht werden soll.

Trotz der großen Wohnungsnot konnte abseits der großen Redevelopment-Projekte, die sich größtenteils noch in der Planung oder baulichen Realisierung befinden, keine große Bautätigkeit im Stadtbild der Region wahrgenommen werden. Eine Entschärfung bzw. ein Ende der Wohnungsmarktkrise scheint, auch mit Blick auf die Gespräche mit lokalen Experten, kurz- bzw. mittelfristig nicht in Sicht.

Mobilität und Verkehr

Die Verkehrsbelastung in San Francisco und der Bay Area ist hoch. Insbesondere zu den Hauptverkehrszeiten am frühen Morgen und Nachmittag/Abend bilden sich lange Staus auf Highways und Hauptstraßen. Die hohen Miet- und Bodenpreise und damit verbundenen Verdrängungseffekte erhöhen seit Jahren die Pendelbewegungen in der Region - Pendelstrecken von mehr als zwei Stunden gehören zum Alltag in der Bay Area. Der öffentliche Personennahverkehr in San Francisco ist im Vergleich zu den Systemen europäischer Großstädte u.a. mit Blick auf die Streckenführung, den Verkehrsmitteleinsatz sowie das bestehende Tarif- und Fahrkartensystem weniger attraktiv und insbesondere zu den Hauptverkehrszeiten an der Kapazitätsgrenze. Mit dem neuen Transbay Terminal wurde im Herbst 2018 ein neuer öffentlicher Verkehrsknotenpunkt mitten in San Francisco fertiggestellt. Ziel des neuen Terminals ist es, die überregionalen und städtischen Schienen- und Bussysteme zu verbinden und den ÖPNV insgesamt zu fördern. Das Transbay Terminal ist zudem als zukünftiger Endbahnhof der geplanten High-Speed-Bahntrasse von San Francisco nach Los Angeles vorgesehen. Das moderne radikale bauliche Ensemble wurde zudem mit einem großflächigen, öffentlich zugänglichen Dachgarten mit verschiedenen Gärten, Ruhezonen und Spazierwegen ausgestattet. Aufgrund von nachträglich aufgetretenen Baumängeln musste das Terminal allerdings bereits sechs Wochen nach der Eröffnung wieder geschlossen werden - ein Wiedereröffnungstermin ist derzeit noch nicht bekannt. Über den Bau des Transbay Terminals hinaus gehende Maßnahmen, dem hohen Verkehrsaufkommen durch den Ausbau und die Steigerung der Attraktivität ÖPNV entgegen zu wirken, erscheinen wenig ausgeprägt oder prioritär. Die Frage nach umfassende Maßnahmen sowie Lösungsansätze zur Reduzierung des hohen Verkehrsaufkommens blieb weitgehend ungeklärt.

Silicon Valley

Die Entwicklung des Silicon Valley zum weltbekannten High-Tech-Standort begann bereits in den 1930er Jahren. In den 1950er Jahren startete mit der Halbleitertechnologie auf Siliciumbasis die Entwicklung von leistungsfähigen Computern. Das Silicon Valley entwickelte sich fortan zu einem globalen Zentrum der Computertechnologie, begünstigt durch die Bildungs- und Forschungsinfrastruktur der Stanford University. Städtebaulich zeigt sich das Silicon Valley bis heute als eine Aneinanderreihung suburbaner Stadt- und Landschaftsräume mit geringer städtebaulicher Dichte und vereinzelten Gewerbegebieten, in denen sich die Konzernzentralen der Tech-Unternehmen befinden. Die hiesigen Headquarter sind nahezu durchweg von bekannten Stararchitekten als mehr oder weniger abgeschottete campusartige Firmenareale geplant und gebaut. Es stellt sich die Frage, ob die zunehmende Innenorientierung und das große Angebot u.a. an Freizeitmöglichkeiten und Gastronomie auf den Firmenarealen mittelfristig negative Auswirkungen auf die Entwicklung urbaner Qualitäten in den Kommunen des Silicon Valleys haben wird. Diese Frage stellt sich auch für die Stadt San Francisco, die in jüngerer Vergangenheit zunehmend als Standort für High-Tech-Konzerne nachgefragt wird.

Neben San Francisco herrscht auch im Silicon Valley akuter Wohnungsmangel. Google und Facebook begegnen dem, indem sie seit einigen Jahren Mitarbeiterwohnungen in direkter Nähe zu den Konzernzentralen errichten. Darüber hinaus engagieren sich die Tech-Unternehmen im Bereich der öffentlichen Infrastruktur beispielsweise im Rahmen der Finanzierung einer Gratis-Shuttle-Buslinie oder der Gestaltung des öffentlichen Raumes.

Historische Bauten und denkmalpflegerische Aspekte

Der Umfang historischer Gebäude in den USA ist aufgrund der jüngeren Siedlungsgeschichte nicht mit den historischen Baustrukturen in Europa zu vergleichen. Trotzdem spielen denkmalpflegerische Aspekte auch in der dortigen Stadtentwicklung eine Rolle. Die Stadt Alameda, südlich von Oakland in der East Bay gelegen, verfügt mit über 10.000 Gebäuden, die vor 1930 errichtet wurden, über einen hohen Anteil historischer Bebauung. Um diese Gebäude zu erhalten und das architektonische Erbe der Stadt zu sichern, hat die Stadt Alameda in den 1970er Jahren ein lokales Regularium zur Erhaltung von historischen Gebäuden und ein Gremium zum Umgang mit historischer Bausubstanz installiert. In den 1980er Jahren wurde Alameda für die Bemühungen zur Erhaltung historischer Bausubstanz ausgezeichnet und der Einfluss des Expertengremiums in der Folge weiter verstärkt. Ziel des Gremiums ist es u.a., Kriterien für die Identifizierung und verbindliche Bestimmungen zum Umgang mit historischen Gebäuden zu entwickeln.

Planungssystem, regionalplanerische Aspekte und Planungsinstitutionen

Die amerikanische Kultur zeichnet sich insbesondere durch den hohen Stellenwert von Individualisierung und persönlicher Freiheit aus. Reglementierungen oder soziale Sicherungssysteme hingegen sind nicht stark ausgeprägt, die Steuerung und Einflussnahme durch den Staat ist gering. Diese Kultur spiegelt sich auch im Planungssystem der USA wider, so dass neben dem Zoning, vergleichbar mit der deutschen Flächennutzungsplanung, nicht viele Steuerungs- oder Reglementierungsmöglichkeiten vorhanden sind. Das Zoning, die Flächennutzungsplanung, ist eine der Hauptaufgaben der kommunalen Stadtplanung und bietet die Möglichkeit, eine geordnete Flächenentwicklung in der Stadt zu sichern und durch die Ausweisung verschiedener Zonen Nutzungen zu definieren und vorzugeben.

Der Plan Bay Area 2040 stellt die langfristige Strategie für die gemeinsame Entwicklung der Bay Area dar. Ziel ist es, die Herausforderungen des stetigen Wachstums u.a. in den Bereichen Verkehr und Mobilität, Bodennutzung, Nachhaltigkeit und der wirtschaftlichen Entwicklung zu identifizieren und gemeinsam regionale Lösungsansätze zu entwickeln. Die Aufstellung und Fortschreibung der Strategie wird von der Bay Area Metro, einer regionalen Planungsorganisation, koordiniert, die unter ihrem Dach sowohl die regionale Mobilitätskommission der Bay Area als auch die Organisation für Regionalentwicklung und interkommunale Zusammenarbeit zusammenfasst.

Mit SPUR (San Francisco Bay Area Planning and Urban Research Association) wurde im Rahmen der Exkursion auch eine private, mitgliederfinanzierte Institution besucht, die sich sehr stark in den stadtentwicklungspolitischen Diskurs in der Region einbringt und Büros in San Francisco, San Jose und Oakland betreibt. Ziel der Organisation ist es, eine Vermittlerrolle zwischen den verschiedenen Akteuren in der Stadtentwicklungsplanung in der Bay Area einzunehmen und Lösungsmöglichkeiten mit dem Charakter von Empfehlungen für städtebauliche Herausforderungen zu entwickeln.

Architektur

Die Siedlungsgeschichte von San Francisco beruht auf unterschiedlichsten kulturellen Einflüssen, die sich bis heute auch in der Architektur der Stadt widerspiegeln. Neben einer großen Anzahl an viktorianischen Holzgebäuden verfügt die Stadt u.a. über ein Beaux-Arts-Ensemble rund um die City Hall sowie eine große Anzahl historischer sowie moderner Hochhäuser im Financial District. Ebenfalls im Architekturbild sichtbar ist die spanische sowie die asiatische Siedlungsgeschichte der Stadt. In San Francisco befinden sich zudem zahlreiche Gebäude nach Entwürfen namhafter, weltbekannter Architekten, wie Daniel Libeskind (Contemporary Jewish Museum), Frank Lloyd Wright (V.C. Gift Shop sowie u.a. Marin County Civic Center in San Rafael), Pelli Clarke Pelli Architects (Transbay Terminal), Herzog & de Meuron (de Young Museum), Mario Botta und Snøhetta (San Francisco Museum of Modern Arts). Darüber hinaus haben US-amerikanische Architekten, wie Willis Polk (u.a. Hobart Building) und Arthur Brown Jr. (u.a. City Hall) die Stadt mit ihren Bauten geprägt.

Rückblick: ISW vor Ort in Weyarn und Brannenburg

Baukultur, urbane Wohnprojekte und neue Stadtquartiere im ländlichen Raum
ISW-Fachexkursion am 04.07.2018 in Weyarn und Brannenburg

Die Metropolregion München zählt zu den wachstumsstärksten Regionen in Deutschland. Der mit dem Wachstum verbundene Druck und die Nachfrage nach zusätzlichem Wohnraum ist nicht nur in der Landeshauptstadt und den angrenzenden Kreisen, sondern auch im ländlichen Raum der Metropolregion präsent. Flächenneuinanspruchnahme und umfangreicher Wohnungsneubau stößt jedoch nicht überall auf eine positive Resonanz. Doch das Wachstum eröffnet auch Chancen für die betroffenen Kommunen und bietet u.a. durch die Möglichkeit, neue urbane Wohn- und Lebensformen zu integrieren, Spielräume für eine zukunftsfähige Stadt- und Ortsentwicklung.

Ziel der Fachexkursion war es, am Beispiel von zwei Wohnungsbauprojekten aufzuzeigen, wie kleine Gemeinden im ländlichen Raum der Metropolregion München mit der Herausforderung Wachstum umgehen. Ein Fachvortrag zur Gestaltung von Wachstum in kleineren Gemeinden im ländlichen Raum führte zu Beginn der Exkursion in die Thematik ein.

Klosteranger Weyarn – Revitalisierung und innerörtliche Nachverdichtung

Die Nachverdichtung auf dem Klosteranger durch den Neubau von 142 Wohneinheiten und einem Nahversorger schließt an die Sanierung der Ortsmitte und der ehemaligen Klosterbrauerei an. Hier wurde als zentraler Treffpunkt ein Café realisiert. Die Neubauten, bestehend aus Reihen- und Doppelhäusern sowie Mehrfamilienhäusern, grenzen direkt an den alten Ortskern an und fügen sich in die bestehende Bebauung ein. Ein zentraler Grünzug verbindet die Gebäude und stellt einen neuen Freiraum für den gesamten Ort dar, der u.a. durch einen Gemeinschaftsgarten genutzt wird. Aktuell wird der finale Bauabschnitt realisiert. Dem Projekt ging eine umfangreiche Bürgerbeteiligung voraus, gleichzeitig wurde der Klosteranger in enger Zusammenarbeit mit der Kommune geplant und umgesetzt.

Mehrgenerationenwohnen auf dem Areal der ehemaligen Karfreit-Kaserne in Brannenburg

Auf dem Gelände der ehemaligen Karfreit-Kaserne in Brannenburg entstehen in drei Bauabschnitten 300 Wohneinheiten, ein Kinderhaus, Freiflächen, Sport- und Spielflächen sowie Pflegeeinrichtungen im Rahmen des Mehrgenerationenwohnen. Die ehemaligen Kasernengebäude wurden abgetragen und durch Neubauten (Einfamilien-, Doppel- und Mehrfamilienhäuser) ersetzt. Das historische Uhrturmgebäude wurde als zentraler Identifikationspunkt im Quartier originalgetreu nachgebaut.

Die Projekte wurden im Rahmen der Vergabe des Baukulturpreises der Europäischen Metropolregion München e.V. 2018 ausgezeichnet.

Rückblick: ISW vor Ort in Wien

Moderne Stadterweiterung, Stadterneuerung und Tradition in einer wachsenden europäischen Metropole
ISW-Fachexkursion vom 07.-10.09.2017 in Wien

Die Stadt Wien zählt zu den erfolgreichsten Metropolstädten Europas und gewinnt zunehmend an Bevölkerung. Das Wachstum macht die Stadt jünger, vielfältiger und lebendiger und ermöglicht die Realisierung vieler zukunftsweisender Projekte – birgt jedoch auch umfangreiche Herausforderungen für die Stadtentwicklungsplanung. Ein fachlich orientierter Besuch der Stadt ist deshalb auf unterschiedlichsten Themenfeldern überaus lehrreich für die eigene Praxis in Stadtentwicklung und Städtebau.

Die Stadtentwicklungsstrategie STEP 2015 bildet die strategische Grundlage für die Weiterentwicklung der bebauten Stadt und die Erweiterung des städtischen Raumes. Ziel ist es, die urbane Qualität und die Bezahlbarkeit in der wachsenden Stadt nachhaltig zu sichern. Eine wichtige Rolle spielt das Zusammenwirken von Tradition, modernem Städte- und Wohnungsbau, Mobilität sowie Freiraumgestaltung. Neben der Konversion von Bahnarealen und der Neuentwicklung von hochverdichtetem, qualitätsvollem Wohnungsbau in neuen Stadtquartieren mit ausgeprägter Nutzungsmischung und innovativer Architektur, zeichnet sich die Wiener Stadtentwicklung durch langjährige Aktivitäten in der sanften Stadterneuerung auf Quartiersebene sowie die besondere Anschauung im Umgang mit kulturhistorisch wertvollem Baubestand aus. Diese Vorgehensweise unterstreicht das Ziel für die Zukunft der Stadt Wien, Traditionen zu bewahren und mit modernen Neuerungen zu verknüpfen. Für diesen Weg hat Wien bereits auf europäischer sowie auf internationaler Ebene viel Anerkennung erfahren.

Die Fachexkursion zielte darauf ab, den Teilnehmenden einen möglichst konkreten Einblick in die städtebauliche und stadtentwicklungspolitische Entwicklung und Perspektive der Stadt Wien zu geben. Unter fachkundiger Führung wurden ausgewählte aktuelle und stadtbildprägende städtebauliche Projekte sowie die Innere Wiener Stadt besichtigt.